Archiv für die Kategorie ‘Innere Sicherheit’

Videos verhindern Gewalt

Samstag, 19. September 2009

Liegen die reflexartig vorgetragenen Sprechblasen der Politiker eigentlich immer in der Schublade und werden gezogen, sobald es nur halbwegs passt? Anders sind die Aussagen der letzten Tage und Wochen in Bezug auf den Mord in der S-Bahn und dem durchgedrehten Schüler nicht zu erklären.
Bayern und auch Niedersachsen wollen die Videoüberwachung in den S-Bahnen ausbauen.

Was das an dieser abscheulichen Tat nun geändert hätte, wenn Kameras installiert gewesen wären, interessiert offenbar niemanden. Hauptsache man war im Radio, TV oder wurde irgendwo zitiert. Auf mehr scheint es im Wahlkampf – ist überhaupt Wahlkampf? – nicht anzukommen.

Überlastete Gerichte, zu wenig Jugendhelfer und soziale Einrichtungen lassen sich schließlich nicht in ein paar Worten erklären. Am Ende kommt dann noch jemand an, der fragt wie das zu finanzieren ist. In diesem Bereich sind natürlich ein paar Kameras viel günstiger.

Wir schaffen uns eine gefühlte Sicherheit und basteln an den Symptomen anstatt das Problem richtig zu bewältigen.

Vielleicht fahre ich diesen Winter auch mit Sommerreifen weiter, ich habe doch genug Airbags und die Medizin ist auch viel weiter als vor 20 Jahren …

Waffengesetze vs. Innenminister

Mittwoch, 18. März 2009

Schon komisch. Geht es um das Schaffen neuer Befugnisse für den Staat, wie z.B. das verdachtsunabhängige Überwachen aller Bürger, dann ist das Innenministerium immer vorn mit dabei.
Sollen jedoch die Waffengesetze verschärft oder besser kontrolliert werden, scheint das nicht so einfach möglich zu sein.
Nicht das ich mich für den ungehinderten Zugang für eine Kontrolle in Privatwohnungen erwärmen könnte, dies wäre sicher auch ein rechtswidriger Eingriff in die Privatsphäre. Interessant ist das agieren von Herrn Schäuble jedoch allemal. Ganz davon abgesehen, wollte dieser die Altersgrenze für bestimmte Waffen vor einiger Zeit sogar senken.

Klare Sache

Dienstag, 25. November 2008

Die empörten Reaktionen auf die geplante Freilassung des RAF-Mannes Christian Klar sind von Angehörigen oder damaligen Mitbetroffenen noch verständlich.  Wobei Michael Buback Gesetze viel ehr versteht, als mancher CSU-Politiker. Sicherlich ist es für Ihn als Privatperson nicht leicht, aber er kann es akzeptieren.
Die größte öffentliche Empörung kommt, wie so oft dieser Tage, aus Bayern. Dort scheint die Justizministerin eine ganz eigene Interpretation der deutschen Gesetze zu haben. Wobei wir dies von vielen Politikern mittlerweile gewohnt sind.
Doch wie armselig ist das denn eigentlich? Die Wahlen sind vorbei und für die Bundestagswahl taugt das Thema sicher auch nicht, aber das werden die entsprechenden Politiker sicher noch merken. Selbst von Roland Koch hab ich dieser Tage recht wenig gehört.

Antiterror-Datei, Einlader-Datei, Warndatei …

Mittwoch, 08. Oktober 2008

Nun, die Antiterror-Datei ist schon etwas älter. Wird Zeit für neue Dateien. Wie wäre es mit der Einlader-Datei? Nein, das ist kein Witz sondern soll so beschlossen werden. In dieser Datei werden alle Personen oder Organisationen erfasst, welche häufiger visumpflichtige Personen einladen.
Hinzu kommt noch die Warndatei – richtiger würde sie Schleuser-Datei heißen – in der alle Personen erfasst werden, welche – der Name sagt es – einmal als Schleuser aufgefallen sind.

Ich plädiere für eine Klemptner-Datei. In dieser werden alle Hausfrauen aufgeführt, welche häufiger den gutaussehenden Klemptner im Haus rufen. Ist doch schließlich auch verdächtig, oder?
Und um dem Thema die richtige Würze noch zu geben, wäre eine Kinder-Datei wünschenswert. Wer zu oft bei fremden Kindern gesehen wird, kommt dort rein. Könnte doch ein verkappter Kinderschänder sein …

klammheimlich – Bundeswehr im Inneren

Montag, 06. Oktober 2008

Nun also doch, die Bundeswehr soll im Inneren agieren können. Die Grundgesetzänderung soll kommen, so haben sich SPD und CDU verständigt.

Man könnte fast meinen, der Zeitpunkt ist perfekt gewählt. Alle Aufmerksamkeit und Sorgen richtigen sich auf die Finanzkriese. Nicht einmal auf tagesschau.de ist von dem Beschluss der Koalitionssitzung etwas zu lesen. Clever gemacht.

Jetzt warte ich nur noch gespannt auf Schäuble, bis er eine Ausweitung und noch mehr Rechte fordert. Dieses Jahr vielleicht nicht, aber spätestens 2009. Wenn das Grundgesetz einmal geändert ist, agiert es sich viel leichter.

Die Stasi, auferstanden aus Ruinen als BKA-Gesetz

Dienstag, 22. April 2008

Ich sehe schon unsere Enkelgeneration mit einer BKA-Unterlagenbehörde konfrontiert. Dort sind dann all die Datenschutz- und Persönlichkeitsrechtsverletzungen aufgelistet, welche das BKA, dank des neuen Gesetzes (bei Netzpolitik zum Download), im Namen der Terrorabwehr begehen kann.

Wer den ganzen Kauderwelsch nicht lesen kann oder mag, findet bei lawblog kurz und kompakt aufgelistet, was das neue Gesetz bedeutet.

Dort ist z.B. von IMs zu lesen, auch ein Aussagenverweigerungsrecht gibt es nicht.  Natürlich alles nur, wenn es um Terrorismus geht. Nur definiert ist der Begriff nirgends. Im Zweifelsfall terrorisiert mich auch Nachbars Köter, sagt man das nicht so?

Nicht zu vergessen, das Gesetz ist lt. Medien jetzt groß in der Kritik.  Die SPD möchte z.B. auch muslimische Geistliche schützen. Die CDU würde es sich nochmal mit der Durchsuchung von Wohungen unbeteiligter Dritter überlegen. Nun, was ist mit Ärzten? Was ist mit dem Aussageverweigerungsrecht?
Es liese sich noch viel mehr aufzählen, aber Hauptsache medienwirksam kritisiert und dennoch nichts geändert. Mit 200 km/h in den Überwachungsstaat.

Was haben Flugpassagierdaten mit Videoüberwachung gemeinsam?

Mittwoch, 28. November 2007

Beides greift in die Grundrechte der Bürger (unverhältnismäßig) ein, würden einige jetzt sicher meinen. Sicher nicht falsch. Es gibt aber noch andere, spitzfindige, Gemeinsamkeiten. In einem Gesetzesentwurf für Flugpassagierdaten wurde kurzerhand ganz hinten eine längere Speicherung des, durch Videoüberwachung an Bahn- und Flughäfen gewonnenen, Materials beschlossen. Das ganze wurde spät am Abend den Parlamentariern gefaxt und am nächsten Morgen durchgewunken – und keiner hat es gemerkt. Super Idee, oder?
Nun dürfen die Videos bis zu 30 Tage gespeichert werden und müssen nicht innerhalb von 48h vernichtet werden. Verbessert die Sicherheit sicher ungemein.

Eine “gute” Begründung hat Herr Wiefelspütz auch schon gefunden. Die Kofferbomber wurden auch durch Bahnhofsvideos ausfindig gemacht. Dumm nur, dass zu diesem Zeitpunkt noch die alte Regelung in Kraft war, weiß das Herr Wiefelspütz nicht oder darf ich das als stummes Eingeständnis sehen, dass die Daten sowieso schon länger gespeichert wurden? Was von beidem nun schlimmer ist, darf jeder selbst entscheiden.

Das ganze Interview mit Herr Wiefelspütz gibts bei d-radio nachzulesen. (Man beachte die zweite Zeile, auf Würfelspütz wäre ich auch nicht gekommen, aber Russisch Roulette spielt der Herr mit unserer Verfassung allemal)

Informationelle Selbstbestimmung

Freitag, 09. November 2007

Schlimm genug, dass heute die Vorratsspeicherung abgenickt wurde. Es lohnt sich kaum darüber zu schreiben, irgendwann ist es einem einfach Leid.

Heute jedoch setzte Frau Zypries noch eins drauf:

“Das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung heißt nur, dass Bürger informiert werden müssen wer was von ihnen speichert” (d-radio 09.11.07) Mehr nicht.

Nette Vorstellung. Es darf also alles über mich gespeichert werden im Zweifelsfall, ich muss es nur wissen. Wenn ich es dann weiß kann ich mich weiterhin frei entfalten, brauche mir keine Sorgen darüber machen ob ich in einem Überwachungsstaat lebe, denn ich weiß das es so ist.
Oder wie darf ich diese Aussage interpretieren?
Das zur Informationellen Selbstbestimmung auch das Recht gehört eben nicht nur zu wissen, sondern auch zu beeinflussen, was wer über mich speichert, kommt die gute Frau nicht.
Ich hab den stillen Verdacht, dass nicht nur sie eine verkürzte Vorstellung diesen Rechts hat. In Berlin finden sich sicherlich noch mehr.

Bundesverfassungsgericht nichts wert

Sonntag, 16. September 2007

Von Herrn Schäuble wissen wir es schon, von Herrn Jung sind wir es in dieser Form noch nicht gewöhnt. Die pure Ignoranz der Urteile des Bundesverfassungsgerichts. Ist doch egal was dieses feststellt oder urteilt, die Politiker wissen viel besser was gut für Deutschland ist. Grundgesetz hin oder her.
Schießen wir das Flugzeug ab, es kann so einfach sein … Na hoffentlich sitzen unsere Herrn Politiker nicht mal selbst drin.

Telefonüberwachung vs. Online-Durchsuchung

Mittwoch, 25. Juli 2007

der Ex-Verfassungsrichter, Hans Hugo Klein, sieht keinen Grund, warum die Online-Durchsuchung ein Problem für das Grundgesetz darstellen würde (Link). Ok, er ist auch Ex-CDU-Mitglied. Das allein disqualifiziert ihn zwar noch nicht, dafür aber jene Aussage:

” Das scheint mir nichts anderes als das, was bei der heimlichen Telefonüberwachung geschieht. Das Internet als neue Form des Kommunizierens steht dem Telefonieren durchaus nahe.”

Liest sicherlich jeder der ein Tagebuch schreibt oder ganz private Daten hat, diese seinem Telefon vor, oder?
Eventuell sollte dem Herrn aber auch mal der PC, das Internet usw erklärt werden.

Da hoffe ich einfach mal, dass die jetzigen Verfassungsrichter mehr Fachkompetenz aufweisen werden, falls es wirklich dazu kommen sollte so etwas zu entscheiden.